Expertenmeinungen:
Matter - Zukunftsprognosen und mehr
Wir haben bei Herstellern und Experten nachgefragt, was für Matter spricht, wie sie die Zukunft von Matter sehen und wie der Standard am besten eingesetzt werden kann. Lesen Sie hier die Einschätzungen von Marco Savia, ABB, Malte Göller (Atios), Rony Müller Partner von Adiutec AG und Daniel Hösli von Tridonic.

Matter - eine einheitliche Sprache für alle Smarthome Geräte.
Inhalte
Warum Matter?
Was ist die Zukunft von Matter?
Wie können Elektroinstallateure Matter am besten einsetzen?
Fazit
Warum Matter?
Marco Savia, ABB
In der Gebäudeautomation gibt es Standards (KNX, DALI, BACnet usw.), die im professionellen Umfeld Sicherheit bieten, aufeinander abgestimmte und funktionierende Lösungen anzubieten. Dieser Standard fehlte jedoch bei "weisser Ware" wie semiprofessionellen Lichtsystemen, Funksteckdosen und vielen anderen smarten Geräten. Dies machte es für Unternehmer riskant, diese in professionelle Hausautomationssysteme zu integrieren. Mit Matter haben wir nun einen breit abgestützten Standard (SAMSUNG, Apple, Google, Amazon u.v.m.), der die sichere Interoperabilität weltweit führender Marken sicherstellt.
Malte Göller, Atios
Matter ist ein herstellerübergreifender Standard, der sicherstellt, dass SmartHome-Geräte unterschiedlicher Hersteller nahtlos miteinander kommunizieren. Für Endkunden liegt der große Vorteil darin, dass sie ihre Geräte über eine einzige App steuern können – wie Apple Home, Google Home, Amazon Alexa oder Samsung SmartThings. Diese Plattformen unterstützen Matter, werden regelmäßig und kostenlos von den Herstellern gewartet und bieten zusätzliche Funktionen wie Sprachsteuerung, Fernzugriff und die einfache Erstellung von Szenen und Automationen (z. B. Logiken). Auch für Integratoren und Elektriker bietet Matter erhebliche Vorteile: Sie müssen sich nicht mehr mit proprietären Visualisierungslösungen auseinandersetzen, die oft nur innerhalb des eigenen Ökosystems eines Herstellers wie z. B. ABB funktionieren. Diese Lösungen sind häufig nicht langfristig angelegt – sie erhalten nach wenigen Jahren keine Updates mehr, und neue Versionen sind oft nicht mit älterer Hardware kompatibel. Mit Matter entfällt diese Einschränkung, und Endkunden können Szenen und Automationen selbstständig einrichten, ändern oder neue Geräte problemlos hinzufügen, ohne ständig auf den Support der Integratoren angewiesen zu sein.

Daniel Hösli, Tridonic
Durch Matter ist die Kompatibilität zwischen den Produkten unterschiedlicher Hersteller gegeben (Interoperabilität). Mit dem einheitlichen Wireless-Standard wird die Einrichtung des Smart-Home-Systems einfacher und benutzerfreundlicher. Unterstützt durch moderne Sicherheitsprotokolle ist Matter gerüstet für die Zukunft.
Rony Müller, Adiutec
Matter wird von den grossen Tech-Firmen vorangetrieben und bietet eine weltweit herstellerübergreifende Kompatibilität. Vereinfacht gesagt, kommt das Smart Home mit Matter «vom Smartphone» und nicht wie frühere Systeme «vom Schalter». Der grosse Vorteil für den Elektroinstallateur ist, dass er durch Matter nicht für jedes Objekt individuell und im Detail prüfen muss, ob ein Produkt mit der Umgebung und den Endgeräten seines Kunden kompatibel ist. Ein weiterer Aspekt ist der stärkere Einbezug des Endnutzers. Die Einrichtung und allfällige Änderungen der Smart-Home-Steuerung sollen mit Matter einfacher werden. Auch Consumer-Produkte wie Staubsauger oder Katzenklappen können in das gleiche System integriert werden.

Was ist die Zukunft von Matter?
Marco Savia, ABB
Das Kombinieren verschiedener smarter Geräte zur Gebäude- und Hausautomation wird so einfach wie das Einstecken einer neuen Maus über den USB-Anschluss am Computer. «Plug and Play». Matter ist ein Hersteller und Plattformübergreifender Standard und wird die IoT Welt mit den etablierten Standards wie KNX, DALI, BACnet, etc. nahtlos zusammenführen.
Malte Göller, Atios
Matter hat das Potenzial, der dominierende Standard im Smart Home zu werden, da viele führende Technologieunternehmen wie Apple, Google, Amazon und viele mehr ihn unterstützen. In der Zukunft wird Matter mehr Gerätetypen und Funktionen abdecken, wodurch es noch vielseitiger einsetzbar wird. Auch im kommerziellen Bereich, wie in Bürogebäuden und Hotels, wird Matter zunehmend relevant. Zudem könnte die Integration in größere IoT-Ökosysteme, wie Smart Cities, die Bedeutung von Matter weiter steigern
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Daniel Hösli, Tridonic
Da viele Unternehmen wie Apple, Google, Amazon den Standard unterstützen, wird sich der Standard in Zukunft im Smart Home etablieren. Aktuell ist die Bekanntheit von Matter noch nicht weit verbreitet., durch das stetige Wachstum von Produkten wird sich dies in den nächsten Jahren ändern.
Rony Müller, Adiutec
Matter könnte sich als weltweiter Smart-Home-Standard etablieren – vorausgesetzt, Apple, Google, Samsung und Amazon setzen ihn zügig, konsequent, interoperabel und robust um. Mit jeder Weiterentwicklung werden neue Gerätekategorien unterstützt, wodurch das «Matter-Universum» wächst. Immer mehr haustechnische Geräte werden künftig direkt Matter «sprechen»: die Beleuchtung vom Lampengeschäft, die Jalousie vom Storenbauer, die Heizung vom Heizungsinstallateur oder die Gartenbewässerung vom Do-ityourself-Markt. Ein zentrales Element ist die Cloud-unabhängige Steuerung mit hohem Datenschutz. Diese Aspekte sind wichtig für die Akzeptanz, sowie für eine zuverlässige und langlebige Gebäudesteuerung. Besonders in Verbindung mit Thread bestehteinvielversprechender Lösungsansatz. Die Chancen stehen meines Erachtens gut, dass Matter sich als universeller Standard etablieren wird.

Wie können Elektroinstallateure Matter am besten einsetzen?
Marco Savia, ABB
Matter wird zukünftig bei allen Gebäudeautomationssystemen der einfache Zugang für tausende smarte Geräte sein, teilweise auch als IoT bekannt. Es gehört zur Standardausrüstung und ermöglicht einfache und kostengünstige Erweiterungen. Der einfache Einstieg in die "Matter-Welt" ist die Erweiterung eines geschalteten Steckkontakts mit der Funksteckdose «Eve Energy». Mit einem ABB-free@home® Hausautomationssystem kann diese mobile Steckdose über die integrierte Matter-Bridge mit wenigen Klicks mit einem fest installierten Taster verknüpft werden
Malte Göller, Atios
Matter entfaltet sein volles Potenzial in Installationen, bei denen eine einfache Integration und Interoperabilität zwischen verschiedenen Herstellern gefordert ist. Elektriker und KNX-Integratoren können Matter nutzen, um Systeme flexibel zu erweitern, ohne sich auf einen einzigen Anbieter festlegen zu müssen. Besonders interessant: Mit Matter erhalten DALI- und KNX-Systeme endlich eine einfache und moderne Visualisierungsmöglichkeit über Plattformen wie Apple Home, Google Home oder Amazon Alexa. Die Atios KNX Bridge ermöglicht beispielsweise eine perfekte Symbiose zwischen Matter und KNX, sodass bestehende Gebäudeautomationen zukunftssicher gemacht werden können. Gleichzeitig können Endgeräte, die auf Funk (WiFi und Thread) basieren und die der Kunde selbst mitbringt, nahtlos mit den Elektrikern vertrauten KNX und DALI-Systemen harmonieren und integriert werden
Daniel Hösli, Tridonic
Die Tridonic Matter-Produkte können durch Scannen des QR-Codes einfach in ein Smart-Home-System wie z.B. Apple HomeKit, Amazon Alexa oder Google Home eingebunden werden. Dazu benötigt es einen Hub, den sogenannten Thread Border Router, welcher beispielsweise unter den Namen Echo, HomePod oder Google Nest bekannt ist. Ist das Gerät eingebunden, kann die Beleuchtung mit anderen Geräten wie Jalousien, Heizung, Unterhaltungsgeräte, Sicherheitssysteme über ein zentrales ÖkoSystem angesteuert werden
Rony Müller, Adiutec
Für eine optimale Erstellung von Matter-basierten Smart-Home-Lösungen ist eine clevere Elektroinstallation wichtig. Wo werden welche Komponenten platziert? Wie muss das Netzwerk strukturiert sein? Wo und wie sollten Reserven für Erweiterungen eingeplant werden? Auch in einer Matter-Umgebung bleibt der Elektroinstallateur der zentrale Experte für den Energiefluss im Gebäude. Energiemessungen,Lastmanagement und Netzwerkanbindung erfordern weiterhin spezialisierte Fachkenntnisse – diese Aufgaben kann der Endkunde in der Regel nicht eigenständig übernehmen. Der Elektroinstallateur übernimmt eine Schlüsselrolle als «technischer Hausarzt»: Er berät Hauseigentümer umfassend zu elektrischem Komfort, Energieeffizienz und Sicherheit. Matter bietet ihm dabei eine starke Vereinfachung und breite Akzeptanz. Und zum Spezialisten verweist der Elektroinstallateur, wenn es diesen benötigt
Fazit
Matter stellt einen herstellerübergreifenden Standard für Smarthome-Anwendungen dar, der die Interoperabilität von Geräten verbessert. Elektroinstallateure können von einer vereinfachten Integration profitieren, während die Nutzung in verschiedenen Systemen und Anwendungen an Bedeutung gewinnt. Der Standard könnte die Zukunft der Gebäudeautomation also massgeblich beeinflussen

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