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    • Intelligentes Energiemanagement mit Batteriespeicher: Peak shaving, Regelenergie-Vermarktung und neue Geschäftsmodelle 

    Interview zu Batteriespeicher-Konzepten

    Peak shaving, Regelenergie-Vermarktung und neue Geschäftsmodelle 

    Die regulatorischen Änderungen 2026 stellen Industriekunden vor neue Herausforderungen: Die Minimalvergütung für PV-Anlagen ab 150 kWp entfällt. Batteriespeicher in Kombination mit intelligentem Energiemanagement eröffnen erhebliche wirtschaftliche Potenziale – auch ohne hohen Eigenverbrauch. Manuel Lüscher, Leiter neue Energien bei EM,  erklärt im Interview, wie Speicher durch Peak shaving Leistungskosten um 15.000-30.000 CHF jährlich senken und warum die Devise «Erst steuern, dann speichern» entscheidend ist.

    09.01.2025
    Intelligente Batteriespeicher mit EMS schaffen neue Wirtschaftlichkeit.

    Intelligente Batteriespeicher mit EMS schaffen neue Wirtschaftlichkeit.

    Herr Lüscher, welchen Nutzen haben Batteriespeicherlösungen für unsere Industriekunden — auch wenn diese keinen sehr hohen Eigenverbrauch haben?

    Manuel Lüscher: Sehr viel Potenzial. Selbst ohne grossen Eigenverbrauch lohnt sich ein Speicher als Alternative zur reinen Einspeisung oder als Ergänzung zu einem ZEV-Modell. Speicher schaffen Flexibilität: Sie ermöglichen Peak shaving zur Reduktion von Leistungskosten, vermeiden teure Stromspitzen und bieten die Möglichkeit, Kapazität für Netzdienstleistungen freizugeben. Das sind direkte ökonomische Hebel, die für industrielle Zulieferer mit schwankenden Lastprofilen enorm wertvoll sind.

    Manuel Lüscher

    Leiter Neue Energien

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    Das stromgesetzliche Umfeld hat sich verändert — etwa die Vergütungssituation. Wie beeinflusst das die Wirtschaftlichkeit von PV-plus-Speicherprojekten?

    Manuel Lüscher: Ein entscheidender Punkt ist, dass es ab 1.1.2026 bei Anlagen ab 150 kWp keine feste Minimalvergütung mehr gibt. Das reduziert die Attraktivität reiner Einspeisemodelle. Folge: Die Rendite der PV-Anlage hängt stärker vom Eigenverbrauch ab. Durch höhere Eigenverbrauchsquoten wird die Anlage wirtschaftlich attraktiver, weil selbstgenutzter Strom teure Netzbezüge ersetzt. Speicher helfen hier, den Eigenverbrauch deutlich zu steigern und damit die Gesamtrendite zu verbessern.

    Können Sie kurz erklären, wie Peak shaving konkret Kosten senkt?

    Manuel Lüscher: Beim Peak shaving wird der Speicher gezielt eingesetzt, um Lastspitzen zu glätten bzw. zu reduzieren — also dann zu liefern, wenn der Verbrauch kurzzeitig hoch ist. Das reduziert Leistungskosten und vermeidet teure Spitzenbezüge vom Versorger. Bei vielen Industriebetrieben macht allein die Reduktion dieser Spitzenlasten einen signifikanten Anteil der Einsparungen aus.

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    Welche zusätzlichen Erlösquellen ergeben sich durch Speicher?

    Manuel Lüscher: Neben Eigenverbrauch und Peak shaving gibt es die Möglichkeit, Speicherkapazität für Netzdienste freizugeben, z. B. für Regelenergie. Gewerbliche  Betriebe können in der Regel Energie am freien Markt beschaffen und verkaufen — das eröffnet Geschäftsmodelle, die Privathaushalte meist nicht haben. Teilnehmer an Regelenergiemärkten oder Betreiber von vZEV/LEG-Strukturen können zusätzliche Erlöse erzielen, indem sie Flexibilität vermarkten.

    «Was im Grossen funktioniert, funktioniert im Kleinen schon lange.» Trifft das zu?

    Manuel Lüscher: Grundsätzlich ja — das Prinzip von PV plus Speicher und Energiemanagement ist das gleiche wie bei Wohnhäusern. Allerdings gibt es wichtige Unterschiede: Bei grossen Anlagen wird das Regeln und Steuern der Verbraucher komplexer und damit wichtiger. Vorschriften zu Sicherheit, Brandschutz und Einspeisung müssen noch mehr beachtet werden als beim Eigenheim. Und wie gesagt: Gewerbebetriebe können Energie am Markt handeln, was neue ökonomische Chancen schafft.

    Wie gehen Sie an das Thema Energiemanagement heran?

    Manuel Lüscher: Energiemanagement ist die Grundlage. Zuerst muss sichergestellt werden, dass möglichst viel der vor Ort produzierten Energie lokal genutzt wird — also Eigenverbrauch maximieren. Danach folgt die Planung der Speicher: Wie viel Kapazität bringt zusätzlichen Nutzen? Erst wenn Steuerung und Verbrauchsoptimierung ausgeschöpft sind, macht die endgültige Dimensionierung der Batteriespeicher wirklich Sinn. Kurz: Steuerung zuerst, Batterie danach — das verhindert Überdimensionierung und optimiert die Investitionsrendite.

    Welche weiteren Ideen und Geschäftsmodelle sehen Sie für Industriekunden?

    Manuel Lüscher: Mehrere Perspektiven sind interessant: Teilnahme am Regelenergiemarkt mit freigegebener Speicherkapazität; Gründung von virtuellen ZEVs oder lokalen Energiegenossenschaften (vZEV/LEG), um überschüssigen Strom in der Nachbarschaft zu verkaufen; und die Steigerung der Produktivität durch eine sichere, günstige Eigenversorgung mit ESS-Unterstützung — etwa um Fertigungsprozesse gegen Netzstörungen zu immunisieren. Solche Modelle kombinieren technische und wirtschaftliche Vorteile und schaffen oft eine schnellere Amortisation.

    Welche praktische Empfehlung geben Sie Industrieunternehmen mit auf den Weg?

    Manuel Lüscher: Starten Sie mit einer soliden Verbrauchsanalyse und einem klaren Energiemanagement-Konzept: Erst steuern, dann speichern. Setzen Sie auf modulare Systeme, planen Sie Sicherheits- und Einspeisefragen frühzeitig und prüfen Sie aktiv Marktoptionen wie Flexibilitätsvermarktung oder lokale ZEV-Strukturen. So maximieren Sie den Nutzen von PV und Speicher optimal.

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